04.02.2020

Der Wert der Diversität

von Susanne Sontheimer

Ist Vielfalt in Unternehmen politisch gewünscht oder auch ökonomisch sinnvoll? „Je diverser, desto erfolgreicher“, hat McKinsey in einer Studie festgestellt. Doch Diversität muss richtig gestaltet werden, um nachhaltig positiv zu wirken.

Diversität ist Gegenstand aktueller politischer Debatten um Diskriminierung und Gleichstellung. Was sich für die Wirtschaft mit dem soziologischen respektive sozialpsychologischen Konzept verbindet, brachte der US-Verleger Malcom Forbes dagegen schon vor Jahrzehnten auf den Punkt: Er beschrieb Diversität als „die Kunst, gemeinsam unabhängig zu denken“. In Deutschland übt sich der Pharma- und Chemieriese Bayer darin und hat das Konzept auf die Praxis übertragen. „Personelle Vielfalt im Unternehmen hat einen praktischen Nutzen“, stellt ein Unternehmenssprecher fest. In der globalen Personalabteilung des Konzerns gibt es mit dem Bereich „Talent & Inclusion“ ein eigenes Team für mehr Vielfalt. Melissa Harper ist für die Diversity-Strategie des Unternehmens verantwortlich. Sie hatte diese Funktion zuvor schon beim von Bayer übernommenen US-Konzern Monsanto inne. „Inklusion und Vielfalt sind entscheidende Faktoren für wirtschaftlichen Erfolg und für die Zukunft von Bayer“, zeigt sich Harper überzeugt. Eine möglichst vielfältige Mitarbeiterstruktur sei wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

MEHR ALS NUR GESCHLECHTER- GERECHTIGKEIT Bayer will eine bessere Balance von Frauen und Männern erreichen – insbesondere in den Führungsteams. Deswegen hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in den oberen fünf Vertragsstufen bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen. Bei Diversity gehe es Bayer aber nicht nur um mehr Geschlechtergerechtigkeit, sondern „auch um die Förderung lokaler Talente außerhalb von Deutschland sowie eine größere Internationalität unserer Belegschaft“, sagt Harper. Diversität, das ist die Bandbreite einzigartiger persönlicher Merkmale in einer Organisation, einem Team oder einem Entscheidungsgremium. Sie umfasst alle Eigenschaften, die einzelne Individuen auszeichnen: Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Alter, aber auch Merkmale wie Bildungshintergrund, Erfahrung oder sexuelle Orientierung. Entscheidend sei, so Harper, in welchem Maße die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit ihren eigenen, einzigartigen Merkmalen in der Organisation wiederfinden, die Kultur mitgestalten und Entscheidungen beeinflussen können.

DURCH DIVERSITÄT ZU BESSEREN KENNZAHLEN Für mehr Vielfalt zu sorgen, sei für Bayer aber kein Selbstzweck. Sie diene dazu, bestmögliche Resultate bei Produktivität, Engagement und beim Gewinn zu erzielen. Ein entsprechendes Umfeld habe Schubkraft für das Geschäft: „Es baut Vertrauen auf, fördert Effektivität und Produktivität, steigert das Engagement und bringt Innovation ins Rollen.“ An die Mitarbeiter gerichtet, bedeutet das: „Stehen Sie unserer Kultur neugierig gegenüber, denn sie ist die Summe aller unserer Verhaltensweisen. Hinterfragen Sie, wie Sie und Ihre Teams über Unterschiede hinweg zusammenarbeiten. Stellen Sie sich die Frage, ob Sie alle Perspektiven zu Wort kommen lassen. Wenn Sie zum Beispiel an Einstellungen oder Beförderungen beteiligt sind, dann vergleichen Sie die Vielfalt der Bewerber mit Ihren Annahmen über die vermeintliche Idealbesetzung.“ Dass Diversität nicht nur politisch gewünscht, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist, dokumentiert die McKinsey-Studie „Delivering Through Diversity“. Sie zeigt einen Zusammenhang zwischen Diversität und Geschäftserfolg auf, zwischen mehr Vielfalt im Top-Management und der Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein. „Je diverser, desto erfolgreicher“, fassen die Strategieberater das Ergebnis zusammen.

MANAGEMENT-VIELFALT STEIGERT GESCHÄFTSERFOLG Besonders groß sei dieser Zusammenhang beim Frauenanteil im Top-Management, im Vorstand plus zwei bis drei Ebenen darunter: Unternehmen, die hier besonders gut abschnitten, hätten eine um 21 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Bei deutschen Unternehmen mit einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte im Top-Management verdoppele sich die Wahrscheinlichkeit eines überdurchschnittlichen Geschäftserfolgs sogar, wenn Vielfalt vorherrsche. „Der Zusammenhang zwischen Vielfalt im Management und Geschäftserfolg ist real“, stellt Julia Sperling fest, McKinsey-Partnerin in Frankfurt. „Die Förderung von Talenten mit unterschiedlichen Hintergründen, Männer wie Frauen, unterschiedlichen Ethnien und wissenschaftlichem Background, ist sowohl eine Frage der Gerechtigkeit als auch eine Business-Priorität.“ Letzteren Aspekt unterstreicht das White Paper „Broad Diversity as a Driver of Meritocracy“ der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Invesco: Früher sei Diversität als offenkundige Umsetzung der Frage nach sozialer Gerechtigkeit gesehen worden, heißt es darin. Heute werde sie besonders in der Arbeitswelt auch als Wettbewerbsvorteil verstanden.

Den kompletten Bericht finden Sie unter https://bit.ly/2Si3IGn

Bild Quelle: https://unsplash.com/photos/DNkoNXQti3c

Tags zum Artikel Beruf und Familie Diversität 

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