16.01.2018

Nachts mit dem Kältebus unterwegs

von KAISER+KRAFT Mitarbeiter

Nachts, wenn es eisig wird, fährt der Kältebus des DRK Kreisverbandes durch die Landeshauptstadt Stuttgart – im Auftrag des Sozialamtes. Ehrenamtliche des DRK und viele Freiwillige helfen so bedürftigen Menschen durch die Nacht. Dieses Angebot rettet buchstäblich Leben.

Wenn es nachts kälter als minus 5 Grad ist, wird ein Kleinbus mit Dingen bestückt, die Menschen ohne Unterkunft durch die kalten Nächte helfen. Mit an „Bord“ sind: Schlafsäcke und Decken, warme Kleidung, Mützen, feste Schuhe, Isomatten, Taschentücher und Handschuhe. So einiges also, was ein Mensch, der auf der „Platte“ lebt, brauchen kann. Mit warmem Tee, Obst und Snacks ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Gegen 21 Uhr geht die Vorbereitung im Kreisverband in der Reitzensteinstraße los. Viele Kannen Tee werden gekocht. Anschließend wird das Auto beladen.

Etwa gegen 22 Uhr fahren zwei Personen des DRK und freiwillige Helfer, die mit möchten, los. Ein fester Touren-Plan führt über Bad Cannstatt-Bahnhof, Wasen, Stuttgart-Ost, Marienplatz, Paulinenbrücke, Feuersee, ehemaliger Hoppelau-Friedhof, Königstraße oben, Parkhäuser am Schlossplatz, zu Bahnhof und Klettpassage.

Die Haltestellen werden notiert und es wird darüber Buch geführt, wie viele Menschen in der Stadt versorgt werden. Ein besonderer Versorgungsweg führt in den Kräherwald. Dort lebt seit Jahren ein Mann im Zelt und wird vom Kältebus versorgt – mit allem, was er als “Outdoor”-Mensch benötigt.

Man kann fast schon von “Stammkundschaft” sprechen, denn die Obdachlosen rechnen in den kalten Nächten schon mit dem Bus. Viele, die trotz widriger Wetterverhältnisse auf der Straße leben, meiden die von der Stadt Stuttgart angebotenen Unterkünfte. Sei es aus Angst, Misstrauen gegenüber den anderen oder weil der geliebte Hund nicht mit in die Unterkunft darf. Es gibt viele Gründe.  

Zurück zur Tour. Auch für die Helfer ist eine Tee-Pause eingeplant, denn nach einiger Zeit ist man selbst etwas „durchgefroren“.  Und zurück in die Reitzensteinstraße geht es erst, wenn alle Haltestellen angefahren und die Menschen versorgt sind.
Leere Teekannen und Übriggebliebenes müssen nach der Rückkehr wieder ausgeladen werden.

Um 2 Uhr ist man in der Regel mit allem fertig. Was bleibt, sind die glücklichen Gesichter der Menschen, die diese Mühen entschädigen. Und der Dank sowie das Vertrauen, das einem entgegengebracht wird, wenn man Menschen glücklich macht.

Auch ich bin schon mit dem Kältebus durch Stuttgart gefahren. Zwischen 2.30 Uhr und 3.00 Uhr komme ich dann nach Hause – aufgewühlt und müde, aber absolut glücklich. An Schlaf ist noch nicht zu denken, denn das Erlebte muss verarbeitet werden. Jedoch, das tolle Gefühl bleibt und ich weiß, ich werde – sofern es möglich ist – wieder mitfahren, weil ich den Menschen weiterhin helfen möchte.

Wenn Sie sich für die Arbeit des DRK-Kältebus-Teams interessieren, finden Sie Infos auf Facebook: https://de-de.facebook.com/DRKKaeltebusStuttgart/

Übrigens: Über die Hotline 07 11/21 95 47 76 kann man melden, wo möglicherweise ein Bedürftiger “wohnt”.

Tags zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.