Herr-Knuetter
17.10.2016

Nachhaltigkeit zwischen Schein und Sein

von Natalia Cichos-Terrero

Viele Unternehmen schreiben sich heute nachhaltiges Verhalten auf die Fahnen. Doch oft wehen diese nur auf Halbmast, denn zwischen Schreiben und Handeln liegt ein großer Unterschied. Der Begriff Greenwashing fällt in diesem Zusammenhang oft, vor allem dann, wenn wieder negative Schlagzeilen die Runde machen. Der Bereichsleiter Marketing Services von KAISER+KRAFT setzt sich im Interview kritisch mit diesem Thema auseinander.

Redaktion: Herr Knütter, warum ist Nachhaltigkeit seit Jahren bei vielen Unternehmen so ein wichtiges Thema?

Dirk Knütter: Wichtig ist es tatsächlich. Doch überraschenderweise ist Nachhaltigkeit bei vielen Unternehmen negativ konnotiert. Und das, obwohl es ein Thema ist, das immer mehr Befürworter im privaten Bereich gewinnt. Natürlich hat Nachhaltigkeit auch die Wirtschaft erreicht. Das ist gut. Noch besser wäre es allerdings, wenn das wachsende Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften nicht nur den Negativbeispielen aus der Industrie geschuldet wäre. Hier müssen wir klar Position beziehen, nicht nur auf den Profit schielen, sondern auch die anderen beiden Ps beachten, Planet und People. Denn langfristig nachhaltiges Handeln zahlt auf mehreren Ebenen auf den Unternehmenserfolg ein: angefangen von einem stärkeren Vertrauen aller Anspruchsgruppen über klare Wettbewerbsvorteile bis hin zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit. Hier können viele richtige Hebel bewegt werden, um aus Big Business ein Fair Business zu machen.

Redaktion: KAISER+KRAFT hat Nachhaltigkeit zu einem bedeutenden Unternehmensthema gemacht. In allen sechs Handlungsfeldern wird nachhaltig gearbeitet. Weshalb ist K+K das Thema so wichtig?

Dirk Knütter: Effizienz ist für uns in der Versandhandelsbranche extrem wichtig. Deswegen gehört ein möglichst schonendes Wirtschaften mit allen Ressourcen für uns von Anfang an zur unternehmerischen Tradition. Als Teil einer Familienholding liegt es quasi in unserer DNA uns verbindliche Ziele zu setzen und diese dann auch wirklich zu messen und uns stetig zu verbessern. Wir haben den Anspruch, langfristig erfolgreich zu sein. Nachhaltig zu wirtschaften ist daher für uns eine logische Schlussfolgerung.

Redaktion: Nachhaltigkeit kennt keine Maßeinheiten. Wie messen Sie nachhaltiges Handeln? Ist das nicht per se etwas sehr Subjektives und Plakatives?

Dirk Knütter: Auf den ersten Blick mag das so sein. Betrachtet man jedoch die unterschiedlichen sechs Handlungsfelder etwas mehr im Detail, findet man sehr schnell objektiv und quantitativ messbare Zieldimensionen und Maßnahmen. Und dort, wo dies nicht so einfach möglich ist, setzen wir auf externe Zertifizierungssysteme wie beispielsweise EcoVadis. Und auch in meinem Bereich, dem Marketing, spielt Nachhaltigkeit eine extrem große Rolle. Auch hier haben wir im Hinblick auf den Papierverbrauch und die CO2-Emissionen von unseren Printwerbemitteln klare Ziele, die wir laufend quantitativ messen und nachhalten.

Redaktion: Welche weiteren Ziele verfolgt K+K kurzfristig, mittelfristig und langfristig in Sachen Nachhaltigkeit?

Dirk Knütter: Unser oberstes Ziel, nämlich Vorbild der Versandhandelsbranche in Sachen Nachhaltigkeit zu sein, haben wir erfreulicherweise bereits erreicht. Darauf sind wir stolz und möchten diese Position weiterhin ausbauen. Eine langfristige Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Belangen zu schaffen gelingt nur, wenn man kontinuierlich dranbleibt. Aktuell bereiten wir beispielsweise die ISO 50001 Zertifizierung vor, die wir im Oktober abschließen möchten. Es gibt also noch genug zu tun.

Danke für das Gespräch, Herr Knütter!

Tags zum Artikel Interview Marketing Nachhaltiges Handeln 

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